Wer wir sind, woher wir kommen, wohin wir gehen
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P: In den letzten Jahren wurden viele Begriffe verwendet, um 10001fern.sehen zu beschreiben. Es war von Forschung, Archipelen, Inselwelten, Wissensräumen oder digitalen Landschaften die Rede. Warum entsteht nun der Eindruck, dass diese Begriffe vielleicht gar nicht mehr nötig sind?
001: Weil wir bemerkt haben, dass jede zusätzliche Erklärung auch neue Missverständnisse erzeugt. Sobald man von Archipelen spricht, fragen die Menschen nach Inseln. Spricht man von Forschung, wird nach wissenschaftlichen Methoden gefragt. Verwendet man kunsttheoretische Begriffe, entsteht sofort die Erwartung einer bestimmten akademischen Sprache. Dabei besitzen wir längst einen Namen, der das Wesentliche bereits enthält: 10001fern.sehen. Vielleicht sollten wir stärker darauf vertrauen, dass dieser Name selbst spricht, anstatt ihn immer wieder durch neue Modelle ersetzen zu wollen.
P: Dennoch wirkt der Begriff Fernsehen zunächst irritierend. Viele Menschen denken dabei an Sender, Nachrichten oder Unterhaltung.
001: Genau darin liegt die produktive Spannung des Begriffs. Wir verwenden das Wort Fernsehen bewusst anders als im allgemeinen Sprachgebrauch. Unser Interesse gilt nicht dem klassischen Massenmedium mit seinen Einschaltquoten und Reichweiten. Wir produzieren keine Sportübertragungen und verstehen uns nicht als Nachrichtensender. Gleichzeitig lehnen wir die Geschichte des Fernsehens nicht ab. Uns interessieren vielmehr jene Bereiche, die im Fernsehen immer ebenfalls vorhanden waren: Kultur, Bildung, Dokumentation, Vermittlung und Beobachtung.
P: Welche Rolle spielt dabei der Punkt zwischen den beiden Wörtern, also das „fern.sehen“?
001: Dieser Punkt ist vielleicht wichtiger als das gesamte Wort. Er verändert die Bedeutung grundlegend. Aus einem Medium wird eine Haltung. Fern.sehen bedeutet für uns, Abstand einzunehmen. Es bedeutet, eine Situation nicht nur zu erleben, sondern sie zugleich zu betrachten. Es bedeutet, Zusammenhänge sichtbar zu machen, die aus der Nähe oft verborgen bleiben. Der Punkt wirkt wie eine kleine Unterbrechung. Er verwandelt das Fernsehen in eine Form der Reflexion.
P: Würden Sie sagen, dass darin bereits eine Theorie steckt?
001: Ja, aber eine sehr einfache. Vielleicht besteht die wichtigste Erkenntnis gerade darin, dass wir keine große Theorie benötigen. Der Begriff beschreibt bereits eine künstlerische Position. Wer Arbeiten wie PARIS 17°, SARAH oder The Elegance of P. betrachtet, erkennt relativ schnell, dass hier ein anderes Verständnis von Medienarbeit vorliegt als im traditionellen Fernsehen. Die Werke selbst erklären oft mehr als theoretische Texte.
P: Dennoch wird häufig gefragt, ob 10001fern.sehen nun Kunst, Bildung oder Forschung sei.
001: Diese Frage begleitet uns seit vielen Jahren. Wahrscheinlich deshalb, weil die meisten Institutionen auf Eindeutigkeit angewiesen sind. Förderstellen wollen Kunst. Bildungseinrichtungen wollen Bildung. Universitäten sprechen von Forschung. In der Praxis überschneiden sich diese Bereiche jedoch ständig. Wenn wir Archive erschließen, forschen wir. Wenn wir darüber sprechen, vermitteln wir Wissen. Wenn wir aus diesem Wissen eine Ausstellung oder eine Sendung entwickeln, entsteht Kunst. Die Trennung funktioniert auf dem Papier oft besser als im Alltag.
P: Forschung spielt also eine Rolle, ohne dass sie ausdrücklich als Forschung bezeichnet werden muss?
001: Genau. Forschung ist für uns keine Zusatzaufgabe, sondern Teil der täglichen Arbeit. Wer historische Dokumente untersucht, Daten sammelt, technische Entwicklungen beobachtet oder künstlerische Prozesse dokumentiert, betreibt bereits Forschung. Wir müssen dafür kein eigenes Schild aufstellen. Die Praxis erzeugt die Forschung, nicht umgekehrt.
P: Ähnlich könnte man vermutlich auch über Bildung sprechen.
001: Ja. Bildung entsteht immer dann, wenn Erfahrungen weitergegeben werden. Das kann in einem Workshop geschehen, in einem Vortrag, in einem Gespräch oder in einem archivierten Video. Bildung ist kein abgegrenzter Bereich neben der Kunst. Sie entsteht aus dem Wunsch, Erkenntnisse zugänglich zu machen.
P: Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die Zahl 10001?
001: Die Zahl steht seit vielen Jahren im Zentrum unserer Identität. Sie verweist auf digitale Kultur, auf Codes, auf Datenstrukturen und auf eine Zukunft, die eher aus Bibliotheken und Archiven hervorgeht als aus klassischen Rundfunkanstalten. Symbolisch betrachtet stammt 10001fern.sehen nicht aus dem Fernsehstudio, sondern aus dem digitalen Medienraum. Deshalb wirkt die Verbindung von Zahl und Begriff so passend. Sie verbindet eine technologische Herkunft mit einer kulturellen Praxis.
P: Könnte man sagen, dass 10001fern.sehen eine Art Dach ist, unter dem verschiedene Tätigkeiten zusammenkommen?
001: Das ist wahrscheinlich die treffendste Beschreibung. Unter diesem Dach finden Medienkunst, Bildung, Forschung, Archivierung, Dokumentation und Wissensvermittlung Platz. Keine dieser Aktivitäten muss die anderen verdrängen. Ihre Stärke entsteht gerade aus ihrem Zusammenwirken.
P: Was wäre dann die vorläufige Schlussfolgerung dieser Überlegungen?
001: Vielleicht eine überraschend einfache: 10001fern.sehen muss nicht ständig neu definiert werden. Der Begriff ist über viele Jahre gewachsen und hat sich als erstaunlich aufnahmefähig erwiesen. Er ist offen genug für neue Entwicklungen und präzise genug, um eine erkennbare Identität zu bewahren. Deshalb lautet die Antwort auf viele theoretische Fragen letztlich sehr schlicht: 10001fern.sehen ist 10001fern.sehen.
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